Eine Prämie pro Strauß klingt einfach. In der Praxis stecken viele Fragen dahinter — wer zählt, wer prüft, was passiert bei Stornos?

Prämien für gebundene Sträuße sind in vielen Blumenfachgeschäften ein bewährtes Instrument. Sie belohnen direkte Leistung, sind für alle nachvollziehbar, und motivieren anders als ein pauschales Gehalt.

Aber: Eine schlecht durchdachte Prämienregelung schafft mehr Probleme als sie löst. Hier ist, wie du es richtig machst.

Was eine faire Prämie ausmacht

Eine Prämie ist dann fair, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  • Transparent: Jede Mitarbeiterin weiß, wie viel sie für welchen Strauß bekommt.
  • Nachvollziehbar: Die Abrechnung kann jederzeit eingesehen und nachgeprüft werden.
  • Stabil: Der Satz ändert sich nicht rückwirkend — was beim Binden fest war, bleibt fest.

Letzteres ist der häufigste Fehler. Wenn du den Prämiensatz mitten im Monat änderst, entsteht Verwirrung über ältere Sträuße. Am sichersten ist es, den Satz beim Speichern jedes Straußes einzufrieren — so ist der historische Wert immer rekonstruierbar.

Wie hoch sollte der Satz sein?

Es gibt keine Universalantwort, aber eine Orientierungshilfe: Der Prämiensatz sollte in einem sinnvollen Verhältnis zum Arbeitsanteil stehen, der in den Verkaufspreis einkalkuliert wird.

Beispiel: Ein Strauß mit 30 € Materialwert wird mit 40 % Arbeitsanteil kalkuliert — ergibt 42 € Arbeitsanteil-Anteil im Preis. Wenn du davon 3–5 % als Prämie ausschüttest, sind das 1,25–2,10 € pro Strauß. Das fühlt sich für viele Betriebe richtig an.

Andere Betriebe setzen einen Festbetrag: 1,50 € pro Strauß, unabhängig von Größe oder Preis. Das ist einfacher zu kommunizieren, belohnt aber kleine und große Sträuße gleich.

Was abgerechnet wird — und was nicht

Klar kommunizieren, was zählt:

  • Zählt jeder Strauß, unabhängig von der Größe?
  • Zählen auch Sträuße für Beerdigungen und Hochzeiten?
  • Was passiert, wenn ein Strauß zurückgegeben wird?

Keine dieser Fragen hat eine falsche Antwort — aber jede braucht eine klare Antwort, bevor du das System einführst.

Prämien kommunizieren: Motivation statt Druck

Der größte Motivationseffekt entsteht nicht am Ende des Monats, wenn die Prämie aufs Konto kommt, sondern zwischendurch — wenn jemand sieht, wie sie wächst.

Eine regelmäßige Rückmeldung — täglich, wöchentlich oder monatlich, je nach Betrieb — macht die Prämie spürbar. Wichtig dabei: Jede Person sieht nur ihre eigenen Zahlen. Niemand sollte die Leistung der anderen einsehen können. Das vermeidet Vergleiche, die oft mehr schaden als nutzen.

Prämien und Datenschutz

Lohnbestandteile sind vertraulich. Das gilt für Prämien genauso wie für Grundgehälter. Wer eine digitale Prämienabrechnung einführt — per App oder Mail — muss sicherstellen, dass keine Mitarbeiterin die Zahlen einer anderen sehen kann.

Eine monatliche Prämien-Mail, die jede Person nur ihre eigenen Zahlen zeigt, ist nicht nur datenschutzkonform, sondern auch der beste Motivator: persönlich, direkt, ohne Vergleich.

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